Vereinsleben: Höhepunkte

125 Urania - ein Verein stellt sich vor

Mit einer 125 jährigen Tradition kann der Barnimer Urania- Verein nicht aufwarten.
In der Stadt Bernau wurde zwar 1886 ein Arbeiterbildungsverein gegründet, der möglicherweise seine Entstehung dem in Berlin sich unter dem Leitgedanken der „Urania“ herausbildenden Vereine verdankt, aber nur für eine kurze Zeit bestand. Polizeiwillkür führte dazu, dass die 92 Mitglieder des Vereins sich bald vertagten und nicht wieder mit der Arbeit beginnen konnten.

 

Erst in den 70 ger Jahren des 20. Jahrhundert wurde auch in Bernau, damals Kreisstadt ,eine Sektion der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse (Urania) ins Leben gerufen. Dafür gab es gute Grundlagen, denn mit den zwei existierenden Hochschulen im Umfeld der Stadt waren qualifizierte Referenten vorhanden, die eine anerkannte Arbeit leisteten. Mit dem Vereinigungsprozess der beiden deutschen Staaten entschwand die Legitimation für die Tätigkeit der DDR-Gesellschaft, aber nicht der Wille der Mitglieder und Referenten im Sinne der Urania-Tradition zu handeln und zu wirken.

 

Bei der Gründung des Landesverbandes Brandenburg der Urania am 07.07.1990 in Potsdam waren die Bernauer folgerichtig beteiligt. In Bernau konstituierte sich am 26.04.1991 auf der Gründungsversammlung ein eigenständiger Urania-Verein, der unter der Bezeichnung Verein Urania-Barnim e.V. am 08.05.1991 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Bernau eingetragen wurde.

 

Jene Umbruchzeit verlangte ein absolut neues Profil der Urania-Tätigkeit.
Zu dem Grundgefühl von Freiheit und Weltoffenheit bei den ehemaligen DDR- Bürgern gesellten sich auch bald Ungewohntes, so nicht Erwartetes. Arbeitslosigkeit war eine neue massenhafte Erfahrung, die nicht nur psychisch bewältigt werden musste. Vielen wurde ein beruflicher Neuanfang abverlangt. Übergangslösungen machten aus bisher vitalen Berufstätigen Frührentner, 50 jährige sahen sich gewisser maßen über Nacht beruflich ohne jede Perspektive. Berufswünsche vieler Jugendlicher erwiesen sich nun als illusorisch oder waren in der Region nicht mehr zu verwirklichen.

 

Darauf musste die Urania- Tätigkeit reagieren und mit ihren Angeboten vor allem Themen aufgreifen, die Lebenshilfe im weitesten Sinne boten. Berufliche Weiterbildung, Fragen der persönlichen Orientierung in neuen Lebenssituationen, das Wahrnehmen staatsbürgerlicher Rechte, Erwerb von Rechtskenntnissen traf den Nerv der Zeit und wurden Inhalte der Bildungsangebote. In unserem Verein war es vor allem die SENIORENAKADEMIE, die sich als neue Form anbot. Am 01.06. 1995 erhielt der Verein die staatliche Anerkennung als Einrichtung der Weiterbildung gemäß dem Brandenburgischen Weiterbildungsgesetz. Es prägte die Vereinstätigkeit, dass von Beginn an grenzüberschreitend gedacht und gehandelt wurde. Mit polnischen und ukrainischen Partnern wurden Bildungsprojekte durchgeführt und Bildungs-exkursionen veranstaltet. Für seine Bildungsarbeit im Sinne der Europa-Idee wurde der Verein im Jahre 2006 mit der Europa-Urkunde des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Heute gehören zum Verein ca. 60 Mitglieder.

 

Für die Weiterführung der Arbeit ist der Verein nach Meinung des gegenwärtigen Vorstands gut aufgestellt. Mit der Seniorenakademie steht für die älteren Bürger des Kreises Barnim eine bewährte Bildungsaktivität zur Verfügung. Den Medizinischen Sonntag in Zusammenarbeit mit dem Freikirchlichen Krankenhaus und Herzzentrum Brandenburg - entwickelte der Verein zu einem wichtigen Bestandteil der populärwissenschaftlichen Vermittlung neuester Erkenntnisse der Medizin aus Theorie und Praxis. Die Familienakademie ist ein neueres Angebot des Vereins. Sie hat zum Ziel, die soziale und erzieherische Kompetenz der Eltern bei der Betreuung, Erziehung und Bildung der Kinder zu fördern. U. a. ist sie ein Beitrag des Urania Barnim e.V. im Rahmen des“ Lokalen Bündnisses für Familie Bernau. Ein Großteil der Veranstaltungen findet im vereinseigenen Urania- Klub statt.

 

Mit Veranstaltungsreihen wie dem Urania-Kaleidoskop bietet der Verein Möglichkeiten zu qualifizierter Information durch ausgewiesene Experten zu Fragen der Zeit aus Wissenschaft, Kultur, Politik, Religion und Philosophie. Immer wichtiger werden für die Vereinstätigkeit die Fachkurse zur Weiterbildung. Das Spektrum beinhaltet gegenwärtig Sprachkurse, Seminare zur Gartengestaltung, Computerkurs für Anfänger, Aquarellmalerei und Mode Kurs. Großer Beliebtheit erfreuen sich die Bildungs -und Erlebnisexkursionen des Vereins. Sie führen in die verschiedenen Regionen Deutschlands und vertiefen das Wissen über Natur, Kultur und Wirtschaft. Ziele waren aber auch das Europaparlament in Straßburg und die Stadt Wroclaw. Eher selten für einen Urania-Verein ist, dass er eine Gymnastikgruppe in seinen Reihen hat. “Mens sana in corpore sano”.

 

Der Verein braucht die Öffentlichkeit. Veranstaltungen und wichtige Vereinsinitiativen werden stets in der örtlichen Presse publiziert. Auch Aushänge und Plakate dienen der Information der Mitglieder und Freunde des Vereins. Froh sind wir über die deutliche Verbesserung unserer Internetpräsens. Auf unserer Homepage findet jeder Interessierte das Programm des Jahres, die aktuellen Veranstaltungen sowie den Zugang zum Vorstand und dem Sitz des Vereins. Natürlich ist die Homepage des Vereins mit den Internet-medien der Stadt und des Landkreises vernetzt.

 

Ohne Finanzen geht es nicht. Der Beschluss der Brandenburger Landesregierung von 2006 zu rigorosen Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung und damit zur Kürzung der. Landesförderung für die Grundversorgung auf dem Gebiet der Bildung um 50% traf auch unseren Verein hart. Radikal haben wir die Verwaltungsausgaben gesenkt. Ungern wurden die Teilnehmerbeiträge erhöht. Dankbar sind wir jedem Referenten, der auf sein Honorar verzichtet. Durch das Angebot von Kursen ergaben sich neue Einnahmen. Neue Sponsoren halfen die Lücken zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schließen. So gelingt es uns, trotz aller Probleme ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot zu sichern.

 

Als sich vor 125 Jahren die ersten Urania- Vereine konstituierten, stand die damalige Gesellschaft vor gewaltigen Veränderungen. Deutschland stellte sich die Aufgabe, führende Industrienation der Welt zu werden. Welche Herausforderung an geistige Aktivität und Bildung ! Die Urania-Vereine verstanden sich als eine Antwort. Auch wir sehen uns dieser Tradition durchaus verpflichtet. Wenn man sich den heutigen Wandel betrachtet, stehen wir mindestens vor ebenso kolossalen Umwälzungen. Bildungsarbeit der Urania muss sich dieser sich dramatisch verändernden Welt stellen.

 

Heute geht nichts mehr ohne Internet, Google und Co. Damit fertig zu werden, erfordert nicht weniger, sondern mehr an Bildung. Heute stimmt nicht mehr: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ Lebenslanges Lernen ist die Devise. Der Beitrag unserer Bildungsarbeit kann heute sein, bei der sehr weit gewordenen gesellschaftlichen Kommunikation, für jeden Interessierten Einstiegsmöglichkeiten zu bieten, den Zugang zum Internet zu erleichtern, über Gefahren aufzuklären und den Blick für neue Entwicklungen und Möglichkeiten zu schärfen. Wir müssen den demografischen Wandel im Umfeld auch als Chance für die Bildungsaktivitäten begreifen.

 

Die jungen Alten übernehmen eine immer bedeutendere Rolle in der Gesellschaft- Als Adressat und ebenso als Akteur von Bemühungen der Urania werden sie immer wichtiger. Aber es wäre töricht, sich nur auf die Älteren zu fixieren. Urania- Arbeit muss alle Altersgruppen im Blick haben. Neue Themen und Formate sind deshalb für die Zukunft unverzichtbar. Nur wer sich den heutigen Erfordernissen stellt, wird die Zukunft meistern können.

 

(aufgeschrieben im Jahr 2012)